Anatomie der Katze
Katzen sind Säugetiere und besitzen die den Säugetieren
eigenen anatomischen Merkmale. Da alle Säugetiere ein
gemeinsames körperliches Grundmuster aufweisen, unterscheiden
sich die Organe der Katzen in Struktur und Funktion nicht
wesentlich von denen des Menschen. Die Katze weist jedoch
eindeutige Spezialisierungen auf, die sie für ihre Rolle
als vierbeiniges, Fleisch fressendes Raubtier benötigt.
Der
Körper der Katze ist sehr elastisch. Ihr Rückgrat
besitzt bis zu 26 Wirbel mehr als das des Menschen (7 Hals-,
13 Brust-, 7 Lenden-, 3 Kreuzbein- und 21 bis 23 Schwanzwirbel)
und wird zudem mehr von Muskeln als von Bändern gestützt.
Die Elastizität ihrer Wirbelsäule ermöglicht
der Katze eine außerordentliche Beweglichkeit und erlaubt
ihr kühne Kletter- und Sprungmanöver. Das Gelenk
zwischen dem ersten und dem zweiten Rückenwirbel gestattet
der Katze eine Drehung des Kopfes um 50 Grad nach jeder Seite.
Auch fehlt ihr das Schlüsselbein, das nur noch als Restgewebe
erhalten ist. Dadurch kann die Katze ihre Pfote nicht seitlich
heben, aber mühelos durch schmale Spalten schlüpfen.
Die Pfoten der Katze sind perfekt an die
Anforderungen der Natur angepasst: Ihre weichen Fußballen
ermöglichen ein geräuschloses Anpirschen an die
Beute. Außerdem dämpfen sie die Bewegungen der
Katze bei Sprüngen oder bei einem Fall. Die Katze ist
ein Zehengänger, was bedeutet, dass sie nur mit den Zehen
auftritt. Dies ist eine ideale Voraussetzung zum Laufen, wobei
die Katze besonders gut sprinten kann. Die Katze ist beim
Laufen in der Luft vollkommen gestreckt; wenn ihre Vorderpfoten
den Boden berühren, biegt sich ihre Wirbelsäule
bogenartig und sie kann mit den Hinterpfoten übergangslos
die Vorwärtsbewegung fortsetzen. So steigert sie durch
eine vollständige Streckung des Rumpfes ihr Tempo.
Der Schwanz dient der Katze vermutlich als
Balancehilfe beim Klettern und Sprinten. Er ist ebenfalls
dienlich, wenn die Katze im schnellen Lauf die Richtung ändert,
wobei beobachtet werden kann, dass sie dabei den Schwanz in
die Gegenrichtung wirft. Jedoch können auch Manxkatzen
oder der mit nur einem kurzen Schwanz ausgestattete Luchs
gut springen.
Die Katze besitzt 26 Milchzähne sowie
30 bleibende Zähne, 16 davon befinden sich im Oberkiefer
und 14 im Unterkiefer. Ihre Kiefer sind kurz und kräftig,
um ihr die nötige Beißkraft zu verleihen. Der Schädel
der Katze weist eine gut entwickelte Knochenstruktur auf.
Die großen Hörkammern ermöglichen ihr ein
ausgezeichnetes Gehör. Die den Sinnesorganen zugeordneten
Teile des Katzengehirns sind sehr gut entwickelt.
Da die Katze ein reiner Fleischfresser ist,
besitzt sie einen Verdauungstrakt, der ausschließlich
auf Fleischnahrung ausgerichtet ist. Ihre Gedärme sind
im Verhältnis zu Allesfressern wie dem Menschen oder
auch dem Hund kürzer.
Im Gegensatz zu Hunden, die in Größe
und Körperbau extrem variieren, gibt es bei Katzen nur
geringe Größenunterschiede. Sie unterscheiden sich
nur in drei Grundformen des Körperbaus. Es gibt den stämmigen
Typ (cobby), der kurze, dicke Beine und einen massiven Kopf
mit muskulösem, untersetztem Körper besitzt. Der
muskulöse, auch europäische Typ (semi-foreign) ist
weder besonders breit noch besonders schmal, mit mittelgroßem,
sanft gerundetem Kopf. Die schlanke Katze (oriental) besitzt
einen fragilen Körperbau und hat lange, schlanke Beine.
Der Kopf ist lang, schmal und keilförmig.
Eine der interessantesten Fähigkeiten
der Katze ist diejenige, sich bei einem Sturz während
des Falls zu drehen und so auf ihren Pfoten zu landen. Dies
wird durch spezielle Strukturen im Innenohr ermöglicht:
Beim Fall werden in Sekundenbruchteilen Signale vom Innenohr
an das Gehirn übermittelt, wodurch die Lage des Kopfes
in Bezug zum Boden ermittelt wird und Befehle an den Kopf
übermittelt werden, einen rechten Winkel zum Boden einzunehmen.
Der übrige Körper kann sich dann nach der Lage des
Kopfes ausrichten und die Katze landet auf ihren Pfoten. Die
Katze verfügt allgemein über einen hervorragenden
Gleichgewichtsinn, der es ihr ermöglicht, ausgezeichnet
zu balancieren. Katzen sind gute Kletterer, vor allem nach
oben, wobei sie sie sich mit den Hinterpfoten weiterschieben.
Nach unten lässt sich diese Technik allerdings nicht
anwenden und die Katze wirkt oft sehr unbeholfen.
Die Sinne der Katze
Das Gehör der Katze ist ausgezeichnet.
Sie kann über weite Entfernungen Geräusche wahrnehmen
und Geräuschquellen, die 50 Zentimeter auseinander liegen,
noch aus 20 Metern Entfernung unterscheiden. Rufe werden von
ihr bis zu 300 Meter weit gehört. Die Katze kann Töne
wahrnehmen, die bis zu zwei Oktaven über der höchsten
Note liegen, die ein Mensch wahrnehmen kann – damit
kann sie noch besser hören als Hunde. Sie kann auch vom
Menschen gesprochene Worte unterscheiden (wie etwa ihren Namen),
erreicht dabei aber nicht das Vokabular, das ein Hund zu lernen
imstande ist.
Der Sehsinn der Katze ist ebenso gut ausgebildet.
Sie kann nicht nur am Tag hervorragend sehen, sondern auch
während der Dämmerung und der Nacht. Die Augen können
sich durch Veränderung der Pupillen an die Lichtverhältnisse
anpassen. Zudem besitzt die Katze das Tapetum ludicum, eine
Zellschicht, die sich hinter der Netzhaut befindet. Diese
fungiert als eine Art Restlichtverstärker: Die Zellschicht
reflektiert das einfallende Licht, das so zweimal die Rezeptoren
der Retina durchläuft. Das Tapetum ludicum ist auch dafür
verantwortlich, dass die Augen der Katze nachts leuchten.
Bei völliger Dunkelheit kann allerdings dieser Restlichtverstärker
nicht wirken und die Katze sieht dann ebenso wenig wie ein
Mensch.
Die Nase der Katze ist zwar nicht so sensibel
wie die des Hundes, doch kann sie beispielsweise Futterdüfte
über mehrere Meter hinweg wahrnehmen. Sie kann außerdem
Futter, das bereits beginnt zu verderben "erriechen"
und ablehnen. Katzenkinder erriechen bereits in den ersten
Lebensminuten den typischen Geruch der Mutter. Eine weitere
Möglichkeit der Katze, Gerüche aufzunehmen, ist
das Flehmen. Dabei zieht die Katze eine Grimasse, wobei sie
die Nase rümpft und die Lippen kräuselt. So kann
sie Gerüche mit dem an Gaumendach befindlichen Jacobson-Organ
erkennen, das sowohl für Geruch als auch für Geschmack
zuständig ist. Das Flehmen dient häufig dazu, Artgenossen
wahrzunehmen und wird auch bei der Paarung eingesetzt.
Eine Besonderheit der Katze sind die an
ihrer Oberlippe befindlichen Schnurrhaare. Obwohl ihre genaue
Funktion noch nicht gänzlich erforscht ist, dienen sie
mit Sicherheit dem Tastsinn der Katze. Mit Hilfe der Schnurrhaare
kann eine Katze in engen Räumen auch bei völliger
Dunkelheit die Orientierung behalten und sie kann sie als
Hilfe beim Beutefang einsetzen. Die Katze kann diese Haare
je nach Aufmerksamkeit in verschiedene Stellungen bringen.
Sie sind äußerst sensibel und leiten jede Erregung
über Rezeptoren an das Gehirn weiter. So kann eine Katze
auch bei völliger Dunkelheit ihr Beutetier erfühlen
und töten.
Die Zunge der Katze dient ebenfalls verschiedenen
Zwecken. Hier befinden sich die Geschmacksorgane und sie dient
als Hilfe beim Trinken. Außerdem wirkt sie durch ihre
raue Oberfläche beim Putzen wie eine Bürste.
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